Der Langbogen

Der Langbogen wirkt wie ein typisch englisches Ding – Robin Hood, Agincourt und so weiter –,
aber seine Wurzeln sind deutlich älter und geografisch breiter. Archäologische Funde zeigen
langgestreckte D-förmige Bögen schon in der Jungsteinzeit, etwa einen yew-Langbogen aus
Somerset (England) um 2700 v. Chr. sowie ähnliche Funde in Skandinavien.
In der Fachliteratur wird teils ein skandinavischer Ursprung vermutet, der dann über keltische
und walisische Traditionen nach Britannien kam; sicher ist vor allem, dass Yew (Eibe) früh als
Premium-Bogenholz erkannt wurde.

Geschichte im Überblick
Berühmt wurde der Langbogen im Mittelalter, vor allem in Wales und England, wo er zur
„Geheimwaffe“ auf dem Schlachtfeld wurde. Die Waliser nutzten ihn bereits taktisch sehr
effektiv, bevor die englischen Könige das Potenzial erkannten und systematisch auf
Langbogenschützen setzten.


Spätestens unter Edward III. gehörte regelmäßiges Bogentraining zur Pflicht; andere
Sportarten wurden an Sonn- und Feiertagen zeitweise sogar verboten, damit die Männer mit
dem Bogen üben. In der Hundertjährigen Kriegsgeschichte liest man den Langbogen dann
ständig: Schlachten wie Crécy und Agincourt wurden maßgeblich durch Massen von
englischen Langbogenschützen entschieden, die aus großer Distanz ganze Ritterheere
ausdünnten.
Mit dem Siegeszug der Musketen verlor der Langbogen nach und nach seine militärische Rolle;
eine der letzten dokumentierten Schlachten mit Langbögen fand 1644 bei Tippermuir im
Englischen Bürgerkrieg statt. Heute lebt er vor allem im Sport, in der Jagd und im Reenactment
weiter.

Aufbau und Materialien
Der „klassische“ englische Langbogen ist ein sogenannter Selfbow – also ein Bogen aus einem
einzigen Stück Holz, meist Eibe. Typisch ist der D-förmige Querschnitt: Die zum Schützen
zeigende Bauchseite ist rund und arbeitet in Kompression, die vom Schützen abgewandte
Rückenseite ist flacher und steht unter Zug; Eibe liefert dafür ideal die Kombination aus
weicherem, zugfestem Splintholz und dichterem, druckfestem Kernholz.
Ein historischer Langbogen ist ungefähr so groß wie der Schütze selbst – häufig zwischen 1,8
und rund 2 Metern Länge – und damit deutlich länger als viele moderne Recurve- oder
Hybridbögen. Die Sehne bestand historisch oft aus Hanf oder ähnlichen, wenig elastischen
Naturfasern; heute kommen natürlich auch moderne Sehnenmaterialien zum Einsatz.



Neben reinen Selfbows aus Eibe sind heute laminierte Langbögen weit verbreitet. Dabei
werden mehrere Holzschichten kombiniert, zum Beispiel eine zugstarke Schicht aus Hickory
oder Bambus auf dem Rücken und druckfeste Hölzer wie Lemonwood oder Ipe am Bauch. So
lässt sich die natürliche Kombination aus Zug- und Druckholz der Eibe mit preiswerteren oder
besser verfügbaren Hölzern nachbilden.
Die Pfeile für den historischen Langbogen waren meist etwa 27–30 Zoll lang; je nach
Einsatzzweck kamen unterschiedliche Spitzenformen zum Einsatz – schmale Bodkin-Spitzen
gegen Rüstung, breite „Swallowtail“-Spitzen zum Ausschalten von Pferden.

Eigenschaften im Schuss
Technisch gesehen ist ein Langbogen einfach: ein langer, schmaler Holzstab mit Sehne – keine
Cams, keine Schrauben, kein Visier. Diese Einfachheit täuscht aber, denn das System ist
erstaunlich leistungsfähig. Gut gebaute Langbögen konnten im Kriegseinsatz Pfeile über 200
Meter weit verschießen; Berichte und Rekonstruktionen zeigen, dass sie auf typische
Kampfentfernungen auch Rüstungen durchdringen konnten.
Im modernen Sportbetrieb trumpft der Langbogen vor allem durch sein Schussgefühl auf: Er
speichert die Energie gleichmäßig im langen Wurfarm, schießt „weich“, ohne aggressive
Spitzencharakteristik, und belohnt saubere Technik mit sehr reproduzierbaren Trefferbildern.
Gleichzeitig ist er kompromisslos ehrlich – es gibt kein Visier, keine Stabilisatoren; was die
Hand macht, landet auf der Scheibe.

Zur Einordnung gegenüber anderen Bögen hilft eine einfache Faustdefinition: Wenn die Sehne
im gespannten Zustand nur an den Nocken anliegt und nicht zusätzlich den Wurfarm berührt,
spricht man von einem Langbogen; berührt die Sehne den Wurfarm über die Nocken hinaus,
ist es ein Recurvebogen. Moderne Hybrid- oder „Reflex-Deflex“-Langbögen sitzen irgendwo
dazwischen und kombinieren Langbogen-Feeling mit etwas mehr Effizienz.

Langbogen für Anfänger?
Jetzt zur wahrscheinlich wichtigsten Frage für eure Vereins-Website: Ist der Langbogen ein
guter Bogen für Einsteiger? Die kurze Antwort: Ja – wenn man es richtig anstellt.
Einige traditionelle Coaches argumentieren, dass ein unkomplizierter, gerader Langbogen
einer der „einfachsten und verzeihendsten“ Bögen ist, weil er wenig Technik-Ballast mitbringt
und direktes Feedback auf die Schusstechnik gibt. Gerade der englische Langbogen wird von
vielen als „basic, aber extrem spaßig“ beschrieben – eine simple Kombination aus Stock und
Sehne, die stark von instinktivem Schießen lebt.
Auf der anderen Seite berichten Schützen, dass Recurvebögen sich subjektiv o etwas „glatter“
ziehen und weniger Handschock haben; außerdem bieten sie leichter Optionen für Anbauteile
wie Pfeilauflagen oder Visiere, was manchen Einsteigern das Zielen erleichtert.

Zuggewicht – worauf Anfänger achten sollten
Der häufigste Anfängerfehler – egal ob Langbogen oder Recurve – ist ein zu hohes Zuggewicht.
Wer sich „überbowt“, reißt, zittert und baut sich schlechte Technik sowie Frust ein.
Erfahrungswerte aus Einsteiger-Guides für Recurve- und Trad-Bögen legen für erwachsene

Anfänger grob folgende Bereiche nahe:
Erwachsene Anfängerinnen: etwa 20–30 lbs Zuggewicht
Erwachsene Anfänger (Männer): etwa 25–35 lbs
Jugendliche deutlich darunter, meist im Bereich 15–25 lbs, je nach Statur.

Für Anfänger bedeutet das: lieber etwas zu leicht anfangen, dafür technisch sauber schießen
und bei Bedarf später Zuggewicht und Pfeilgeschwindigkeit steigern.

 

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Termine

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Datum 17.10.2026

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